Gemeinderatssitzung am 15.06.2020 in der Turnhalle der Grundschule Drachselsried

Mobilfunkmast Oberried erneut im Gemeinderat

Das zähe Ringen, eine für die Bevölkerung akzeptable Lösung zur geplanten Errichtung eines Mobilfunkmastes durch den Mobilfunkbetreiber Vodafone im Ortsteil Oberried zu finden, fand in der jüngsten Gemeinderatssitzung seine Fortsetzung. Rund dreißig interessierte Bürger hatten die Sitzung mitverfolgt und konnten in der anschließenden Diskussion ihre Meinung kundtun.

Mit Auftrag an Diplomphysiker Dr. Thomas Gritsch vom TÜV Süd im Dezember 2019, ein Immissionsgutachten zum Thema Mobilfunk im Ortsteil Oberried zu erstellen, hatte sich der Gemeinderat für den Wunsch-Standort Frath eine positive Prognose erhofft, jedoch wurde mit der Vorstellung des Gutachtens durch Dr. Thomas Gritsch in der Gemeinderatssitzung signalisiert, dass der Standort Oberried aus Sicht des Mobilfunkbetreibers Vodafone der geeignetste ist. 

Vor der Präsentation des Gutachtens gab Dr. Thomas Gritsch einen Überblick über die technischen Grundlagen im Mobilfunk, über Grundstruktur, Senderdichte, Entwicklung des Datenverkehrs im Mobilfunk, aktuelle Mobilfunktechniken, Strahlenwerte und Strahlenbelastung, Technik und optische Ausführungen der Antennen sowie nationale Grenzwerte im Vergleich.

Sein Gutachten stützt sich auf die Untersuchungen der bestehenden Standorte und auf den von Vodafone geplanten Standort sowie auf die Zusammenwirkung mehrerer Standorte auf die Versorgungsleistung der Orte im Gemeindegebiet. Untersucht wurde der Standort Grafenried mit aktueller Leistung sowie nach einer Aufrüstung durch Vodafone die künftigen Ergebnisse im Leistungsumfang, in der Zusammenwirkung der Standorte Oberried und Grafenried, die Versorgungsleistung über den Standort Frath (hier plant nach Informationen Telekom am bestehenden Sender der Deutschen Funkturm GmbH eine Mobilfunkanlage zu errichten) bzw. Frath gemeinsam mit Grafenried. Zu jedem dieser Untersuchungsbeispiele lieferte der Experte technische Details sowie Aussagen über die Versorgungsleistung der Orte mit Mobilfunk. Zusammenfassend erklärte der Experte, dass Frath funktechnisch nicht funktioniert und der Standort Oberried für die Versorgung übrigbleiben würde.
Fakt ist, Vodafone hat im vergangenen Jahr einen Bauantrag für die Errichtung einer Mobilfunkanlage im Ortsteil Oberried gestellt, einen Pachtvertrag hat Vodafone bereits mit einem Grundstückseigentümer geschlossen. Die Gemeinde hat mit ihrem Widerspruch gegen den Bauantrag beim Landratsamt Regen eine Frist von einem Jahr erwirkt, um einen alternativen Standort zu suchen und zu finden und sich mit Vodafone auf diesen zu einigen. Die gewährte Frist endet am 28. August 2020, erteilt die Gemeinde keine Baugenehmigung, kann diese durch das Landratsamt ersetzt werden.

In der der Präsentation folgenden Erörterung wurden die aktuelle Situation in der Mobilfunkversorgung, verschiedene Aspekte, wie eine Mobilfunkanlage am geplanten Standort verhindert werden könnte, und alle Möglichkeiten, die Mobilfunkversorgung dennoch für alle Bürger zu gewährleisten, durchgesprochen. Letztendlich liegt der Gemeinde nun ein neutrales Gutachten vor, das im Kern die Planungen von Vodafone und den Standort Oberried bestätigt und den Wunsch der Gemeinde und Bevölkerung, Vodafone mit der Mobilfunkanlage nach Frath zu bringen, unerfüllt lässt. 

Dr. Thomas Gritsch schlägt vor, sich mit Vodafone auf eine Verschiebung in das dem geplanten Standort angrenzende Waldstück zu einigen, um damit die Anlage zumindest optisch verschwinden zu lassen. Für eine Nutzung des Senders Frath durch Vodafone sieht er nur geringe Erfolgschancen. Sollte eine Verschiebung in das Waldgrundstück angestrebt werden, müsste vor Gesprächsbeginn mit Vodafone ein geeignetes Grundstück zur Verfügung stehen und die umliegenden Grundstückseigentümer ihr Einverständnis zur Durchfahrt erklärt haben. 

Dem Beschlussvorschlag von Bürgermeister Johannes Vogl, im ersten Schritt Vodafone für den Standort Frath zu gewinnen, führt das zu keinem Erfolg, dann im zweiten Schritt eine Standortverschiebung in den Wald zu erreichen, folgte der Gemeinderat einstimmig. Bürgermeister Johannes Vogl appellierte an die Oberrieder, an einer gemeinsamen Lösung mitzuarbeiten, Grund bereitzustellen sowie die Durchfahrten zu ermöglichen.

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Text und Fotos: Ilse Probst